Unsere weinberge
Wenn wir Weinbau betreiben, nähern wir uns der Natur und respektieren ihre Rhythmen. Dies ist unser persönlicher Forschungsweg, um das Wissen über die Jahreszeiten wiederzugewinnen, wonach wir gesucht haben, um einen wahrhaftigeren und realeren Kontakt mit der Natur wiederzuerlangen.
Wir haben uns bewusst dafür entschieden, Zeit und Ressourcen der Pflege des Weinberges zu widmen und sowohl unser Leben als auch das des Weinbergs mit einzigartigen Erfahrungen zu bereichern. Manchmal sind es echte Herausforderungen: das Klima überrascht uns mit immer wechselnden Wetterbedingungen wie trockenen und zu milden Wintern, dann mit kühlen Frühlingen, heißen oder zu feuchten Sommern, auch mit heftigen Hagelschauern. Wir haben gelernt, den Himmel zu scannen und seine Farben zu entziffern, die Gerüche der Vegetation nach den ersten Tropfen zu riechen. Sicherlich sind unsere Sinne geschärft.
Um unsere Spitzenweine zu erhalten, haben wir uns von Anfang an bedingungslos für den „human factor“ entschieden: in unseren Weinbergen in Hanglage gibt es keine mechanische Behandlung, alles geschieht manuell, indem man der Weinrebe zuhört.
Es ist überaus bereichernd zu beobachten, wie sich die Rebe verhält und wie wir uns entsprechend verhalten müssen.
Die Reihen sind blattlos und der Weinstock in seiner Essenz: kahle, verholzte Äste ragen nach oben. Ausstehend. Wir gehen durch die Reihen und beginnen miteinander und mit den Reben zu reden, wir schauen uns an, was im vergangenen Jahr passiert ist. Es fällt sofort ins Auge, wie jeder Weinstock seine eigene Geschichte zu erzählen hat. Wir schauen uns die ruhenden Knospen genau an, diese in ihrem kräftigen Zustand enthalten bereits alle Informationen für das Wachstum der kommenden Monate. Wie ist diese bestimmte Pflanze gewachsen und wie wird sie wachsen? Um das herauszufinden, berühren wir sie, hören auch Musik und fahren mit dem Winterschnittritual fort, bei dem jede Weinrebe von trockenen Zweigen befreit, gestreichelt und von den geschickten Händen des Winzers gebogen wird. Wir wissen die Dehnbarkeit und Fähigkeit der Rebe das Anzeichnen des Wachstums zu folgen zu schätzen. Dies sind magische Tage, sie mögen einsam erscheinen, aber in Wirklichkeit sind unsere Hände in perfekter Verbindung mit der Rebe. Es ist kein einfacher Schnitt, sondern ein Lebensprojekt für den Weinberg, in dem Räume, Beziehungen zwischen Pflanzen und das Schicksal des Weinbergs entschieden werden.
Bevor man die „Träne“ der Winterschnitte sieht, scheint die Rebe noch zu ruhen. Innerhalb weniger Wochen vollbringen die Knospen das Wunder und mit unglaublicher Geschwindigkeit wachsen die Triebe und mit ihnen alles, was sie enthielten (Blüte, Traubenbildung usw.). Wir lassen die Rebe ihre Reproduktionsarbeit machen: Triebe wachsen in alle Richtungen, nach oben, zur Seite, manchmal nach unten. In dieser Zeit ist der Weinstock unbändig: er wächst.
Um die Fortpflanzungsenergie dort zu konzentrieren, wo sie sein soll, müssen wir wieder mit dem Räubern und mit dem Grünschnitt eingreifen, bei dem wir die Triebe manuell vom Stock entfernen, wobei die Knospen nach unten zeigen, und den Doppeltrieb entfernen. Einmal ist nicht genug, wir müssen oft im Weinberg, um zu überprüfen, ob die Alles unter Kontrolle ist.
Gegen Ende Frühling führen wir eine weitere heikle Operation durch: das manuelle Ausdünnen der Trauben, um die Produktion auszugleichen und unerwünschte Überproduktion zu beseitigen. Wir passen die Anzahl der Trauben, ihre Anordnung und Exposition manuell an, um eine optimale zukünftige Reifung zu begünstigen.
Die Trauben verwandeln sich und wachsen in diese unglaubliche Frucht; die Weintraube.
Die kleine grüne Traube wird grösser, bunter und süsser. Wir kuscheln und berühren sie, denn jede Traube ist kostbar. Die Trauben kommen immer näher und werden kompakter: sie ist wirklich ein perfektes Konstrukt der Natur!
Nach Monaten Verbundenheit mit dem Weinberg erreichen wir den lang ersehnten Höhepunkt, aber es bleiben noch ein paar Wochen, wir müssen auf das Ende des Sommers warten.
Mit tiefem Respekt laufen wir durch die Rebzeilen. Jeder Weinstock trägt seine Ladung Trauben, schön und ordentlich. Wir sind dankbar für jeden Tag Sonne und Wärme. Dies ist ein Lebensretter für das grosse Finale, welches die Saison besiegelt.
Wir bereiten uns auf die Ernte vor, mähen ein letztes Mal das Gras zwischen den Reihen. Freunde, Verwandte und Bekannte reagieren begeistert auf den Aufruf zur Weinlese. Die alte Blechdose mit ihrer speziellen Scheeren wird herausgenommen. Mit unendlicher Vorsicht trennen wir die Traube mit einem Schnitt vom Weinstock und legen sie in die Kisten. Zwischen den Reihen hört man ein schüchternes Lied, ein Volkslied, zwei Jungen, die plaudern, die Welt kritisieren und neu gestalten, wie es ihnen gefällt, es gibt Menschen jeden Alters und was man spürt, ist der Respekt für die enorme Arbeit, in der wir viele Monate lang zusammen in dem Rebberg gearbeitet haben.
Ist die Weinlese vorbei, ändert sich das Sonnenlicht und der Pflanzensaft der Rebe, der einen Aufwärtsschub hatte, tritt aus, die Reihen beginnen zu ruhen und die Tage werden immer kürzer.
Vom reichhaltigen Grün des Sommers erleben wir den Farbwechsel der Blätter, der uns neue Emotionen schenkt.
Ein weiteres Jahr im Zeichen der aufopfernden Weinanbaus geht zu Ende.
Während im Keller die Arbeit zur Pflege des Weines weitergeht, kehren wir gerne in die Weinberge zurück, um nochmals die vergangenen Monate zu analysieren und der Natur für das erhaltene Geschenk zu danken. Wir brauchen nicht viele Worte; wissend, dass wir Alles für die Pflege unserer Weinberge gegeben haben: Liebe, Leidenschaft, Kontakt, Anerkennung und Gemeinschaft.
Denn von einem sind wir überzeugt: Wein ist Leben und verändert sich über Jahre hinweg, schenkt uns einzigartige Emotionen und viele Erinnerungen.
